III: Mundpropaganda

Das wichtigste Marketinginstrument überhaupt und gleichzeitig das am schwersten zu steuernde: Die Mundpropaganda. Und nicht etwa: Mund-zu-Mund-Propaganda. Das ist falsch, solange wir uns nicht im Bereich Medizin, Sektion Beatmung, befinden. Mundpropaganda eben. Das, was sich die Leute so erzählen. Über ihre Kinder, musikalische Früherziehung, die Lehrerin, den Lehrer, die Konkurrenz, wie das Kind sich entwickelt, wie toll es mitmacht, seit man im Kurs “Die kleinen Musikherzchen”  bei Frau Sommer-Winter-Frühling ist.  Logisch, dass der Leumund des Lehrers umso besser ist, je mehr ein Kind mitmacht.  Pech hat, wer überwiegend die kleinen Schweiger unterrichtet, die vordergründig so rein gar nicht auf einen kleinen Mozart hoffen lassen. Ein Glückspilz ist, in dessen Kursen sich zu  90 Prozent lebhafte Mini-Musiker versammeln. Macht den besseren Ruf. “Bei Herrn Januar-Februar-März ist der Musikunterricht so toll, mein Franz-Xaver-Leander wird da richtig gut gefördert!” Das hört man gern. Das nützt und lässt die Kundenzahlen steigen.

Aber wie gesagt: Schwer zu steuern. Ein bißchen was kann man tun, außer hervorragenden Unterricht zu machen.

Tipp 7:  Seien Sie freundlich. Immer.

Na klar, nichts leichter als das. Zahnpasta-Lächeln aufgesetzt und ran an die Eltern. Auch am Telefon. Da ist es durchaus hilfreich zu lächeln, auch wenns keiner sieht. Man hört es, und darauf kommt es an. Ein Kundenanruf ist etwas Erfreuliches, auch dann, wenn es Kritik hagelt. So kommt wenigstens heraus, wo der Schuh drückt und Lösungen können erarbeitet werden.

Tipp 8:  Erklären Sie auch zum 1000sten Mal Ihr Konzept so, als sei es das erste Mal

Maulfaulheit ist keine wirklich bedrohliche Krankheit, kann aber tödlich fürs Geschäft  enden. Herunter geleierte Erklärungen über Dauer und Kosten des Kurses, inhaltliche Schwerpunkte und Konzepte wirken abstoßend, es sei denn, Sie selbst kaufen gern bei Händlern, die sich offensichtlich nicht für Sie und Ihre Wünsche interessieren. Fertigen Sie auch nie eine Mutter oder einen Vater mit einer Broschüre oder der Website ab. Weder der schönste Folder noch die aufwendigste Website machen gut, was  an persönlicher Zuwendung und Verbindlichkeit eingespart wurde.

Tipp 9: Seien Sie kulant

Jeder, der sein Geld mit Musikkursen verdient, kennt sie: Die ewigen Nörgler, zu Spät-Bezahler, aberwitzige Forderungen-Steller und Geld-zurück-haben-Woller. Die Grundsatz-Diskutierer, wenn es um Monatsbeiträge geht, die Urlauber, die nicht einsehen, dass sie zahlen sollen, während in der Südsee Palmenwedel das heiße Haupt kühlen, all diese liebwerten Menschen, die mächtig an den Nerven zerren. Und trotzdem: Bleiben Sie freundlich. Zeigen Sie Ihre Zähne mit einem Lächeln. Wenns zu schlimm kommt, gibt es einen kleinen Tipp, um ruhig zu bleiben: Pressen Sie Ihren Daumennagel in die Fingerkuppe des Zeigefingers. Der Schmerz wirkt wie ein Ventil. Und lenkt ab. Verletzen Sie sich aber nicht, das ist kein Kunde wert!

Es sind gerade die Nörgler (unzufriedene, unglückliche Menschen), die heftige Freude  an negativer Mundpropaganda haben. Es ist ein Fest für sie,  sich beim nächsten Krabbelgruppen-Termin genüßlich darüber auszulassen, wie unverschämt doch diese Frau Sommer-Winter-Frühling gewesen sei, dass ihr Unterricht zu wünschen übrig ließe und dass überhaupt alle (alle!!) anderen Kursteilnehmer höchst unzufrieden seien und bei nächster Gelegenheit kündigen würden.  Das wirkt. Und wird weiter erzählt. Leider.

Haben Sie es mit einem solchen Exemplar zu tun, unternehmen Sie alles, um es loszuwerden. Es ist nicht Ihre Aufgabe, den Nörgler zu heilen oder glücklich zu machen, sondern ihn in Würde ziehen zu lassen. Das darf auch ruhig Geld kosten; es ist gut angelegt. Seien Sie kulant, erlassen Sie ihm Gebühren, unterstützen Sie ihn in seiner Überzeugung, ein sehr, wenn nicht sogar hoch begabtes Kind zu haben, das ganz sicher eine besondere Einzelförderung benötigt, die Sie – leider leider –  im Gruppenunterricht nicht leisten können. Lassen Sie ihn erhobenen Hauptes den Raum verlassen und trösten Sie sich damit, dass es die beste Schutzmaßnahme gegen schlechte Mundpropaganda war.


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