II: Die Presse kommt

Tipp 4: Lassen Sie sich entdecken

Klingt ein wenig provokant, steckt aber das ein oder andere Körnchen Wahrheit drin. Ich kam darauf, als mir eine Journalisten-Kollegin einen Hinweis gab. Eine Kollegin, die eine wunderbare Reportage über die Musikspatzen schrieb, und der ich viele neue Kurseltern und Kinder zu verdanken habe. Doch bevor es so weit war,  schrieb ich fleißig Pressemitteilungen nach fast allen Regeln der Kunst, regelmäßig bekam ich einen  Fünfzeiler in der Lokalpresse, aber der Durchbruch war das alles nicht. Trotzdem schrieb ich eifrig weiter. Irgendetwas war immer öffentlich von den Musikspatzen, und irgendwann klingelte das Telefon, die Redakteurin war dran und sagte, Sie wolle eine Reportage schreiben. Wie ich schon sagte: Das wurde eine sehr gelungene Zeitungsseite, aber neben vielen interessierten Eltern brachte das auch viel böses Blut bei den Kollegen. Da empfiehlt sich eine dicke Haut. Die Journalistin erzählte mir, eine andere Musiklehrerin habe sie angerufen und wütend gefragt, weshalb die Musikspatzen in der Zeitung seien und nicht ihre Gruppen. Und da sagte sie den bedeutungsvollen Satz: “Von ihnen war nie etwas präsent, wie hätte ich sie finden sollen?” Eben. Fast überflüssig zu sagen, dass diese Reportage der Durchbruch war. Sehr erfreulich und sehr verpflichtend, denn um die Neukunden auch alle zu halten, müssen Sie eines sein: Gut. Oder besser noch: Besser.  Aber dazu später.

Tipp 5:  Ist Presse da, seien Sie flott

Wenn ein Journalist am Telefon ist und Ihnen sagt, dass er einen Artikel über sie schreiben will, ist es ratsam, ohne zu zögern “ja” zu sagen. Sie machen sich durch längeres Zögern nicht etwa interessanter, ganz im Gegenteil. Und versuchen Sie erst gar nicht, so zu tun, als seien Sie von Presse umlagert (es sei denn, Sie sind es wirklich). Gute Lokalredakteure kennen ihr (und Ihr) Umfeld, schummeln ist da ganz zwecklos. Ausnahme: Wenn der Reporter von einem anerkannten Rabaukenblatt kommt, Musik hasst und investigativ herausfinden will, dass Sie kleine Kinder mit Musik quälen. Ist aber die Ausnahme.

Auch ein “Ach, ich habe gerade so viel zu tun, ginge es nicht nächsten Monat?” ist ausgesprochen kontraproduktiv. Journalisten wollen alles, und wenn nicht sofort, dann eben vorgestern. Seien Sie kooperativ, organisieren Sie fix ein paar Kinder und Mütter für Fotos und halten Sie eine spontane Musikstunde ab. Es versteht sich von selbst, dass die Mütter, die spontan mit ihren Kindern vorbeikommen, vielleicht ein paar Fragen der Redakteurin beantworten und sich fotografieren lassen, Ihnen fortan besonders am Herz liegen werden.

Ein heikler Punkt ist die Autorisierung. In der Regel werden sich Journalisten nicht darauf einlassen, dass Sie den Artikel vor Druck noch einmal lesen dürfen. Also folgt

Tipp 6: Sagen Sie nur das, was Sie auch in der Zeitung lesen wollen

Nur das. Nichts anderes. Auch, wenn das Gespräch gerade so freundlich, die Redakteurin so nett und überhaupt alles so schön ist. Auch, wenn Sie irgendwo mal gelesen haben, dass Journalisten es ganz toll finden, wenn man Ihnen etwas Vertrauliches erzählt mit der Bitte, es nicht zu veröffentlichen. Das mag funktionieren, wenn Sie ranghoher Politiker, Industrieller oder in Ihrer Heimatstadt sehr wichtig sind, ansonsten würde ich abraten. Wie schwer das ist, habe ich selbst vor gar nicht so langer Zeit erfahren. Da rief auch eine sehr freundliche Reporterin an, wir haben sehr nett gesprochen, und beflügelt von so viel Wohlgefühl sagte ich ihr irgendwann etwas im Vertrauen, sie sicherte mir im Gegenzug zu, es nicht zu veröffentlichen, und ich brauche jetzt nicht zu sagen, was in der Zeitschrift stand, oder? Eben, genau das Vertrauliche. Schön zentral. Und ich hätte mir vor Wut auf mich selbst in den Allerwertesten beißen können.


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