Musikpädagogische Konzepte

Musikalische Früherziehung ist ein großer Markt. Fast schon gesättigt, ist inzwischen auch die letzte Nische gefüllt. Für eine bessere Übersicht folgt hier ein Überblick über die einzelnen Konzepte, ihre Schwerpunkte und besonderen Ausrichtungen.

Musikgarten (Institut für elementare Musikerziehung, IfeM)

Musikalische Förderung von Anfang an

Das MusikMuga 2garten-Konzept entstand Anfang der 90er Jahre maßgeblich durch Dr. Lorna Lutz Heyge. Lutz Heyge unterrichtet seit 1971 Elementare Musikpädagogik in Deutschland, in den USA und in Kanada. Musik hat seit jeher ihr Leben bestimmt und maßgeblich beeinflusst. Zusammen mit mehreren deutschen KollegInnen entwickelte sie in Kooperation mit Schott International in Mainz den Musikgarten. „Musikgarten – Gemeinsam musizieren“ ist ein musikpädagogisches Konzept, das Kinder ab dem Säuglingsalter und deren Eltern zum gemeinsamen Musizieren anregt. Durch musikalische Kinderspiele, Tänze und das gemeinsame Singen erfahren die Kinder eine frühe musikalische Förderung. Einfache Instrumente wie Klanghölzer, Glöckchen, Rasseln oder Trommeln lassen sie selbst aktiv werden. Die Kinder lernen musikalische Grundelemente kennen. Im Vordergrund steht dabei, Musik mit allen Sinnen wahrzunehmen. Das Musikgarten-Konzept geht davon aus, dass Kinder die angeborene Fähigkeit sowohl zum Singen als auch zur rhythmischen Bewegung haben und bereits vor der Geburt Melodien und die Stimmen der Eltern erkennen können. Da die ersten sechs Lebensjahre die wichtigsten für die geistig-seelische Formung eines Menschen sind, sollten Kinder schon in dieser frühen Phase mit Musik und Musikinstrumenten vertraut gemacht werden, damit sie später selbst unbefangen musizieren können.

Musikgarten wird für drei Altersgruppen angeboten:

Musikgarten für Babys – Säuglinge bis 18 Monate. Musikgarten Phase 1   – Kinder von 18 Monaten bis 3 Jahre. Musikgarten Phase 2   – Kinder von 3 bis 5 Jahre

In einer Musikgarten-Stunde kommen in der Regel 10-13 Paare (Kinder mit einem Erwachsenen) zusammen, um Musik singend, tanzend und lauschend zu erleben. Anregungen aus der miteinander erlebten Stunde können zuhause mithilfe von Liederheft und CD leicht wieder aufgegriffen werden. Der Musikgarten-Unterricht wird von lizenzierten Lehrkräften erteilt. Qualifizierende Seminare führt das Institut für elementare Musikerziehung in ganz Deutschland, in Österreich und in der Schweiz durch.

Musik und Tanz für Kinder

„Musik und Tanz für Kinder“ wurde am Orff-Institut, der Abteilung für Musik- und Tanzpädagogik der Universität Mozarteum in Salzburg, entwickelt und überarbeitet. Das Herausgeber- und Autorenteam unter der Leitung von Dr. Rudolf Nykrin setzt sich aus Mitarbeiterinnen der Erstausgabe und neuen, praxiserfahrenen AutorInnen zusammen. „Musik und Tanz für Kinder“ arbeitet mit dem  „Musikater“ und der „Tripptrappmaus“ und bietet ein relativ offenes Konzept, in dem Musikpädagogen genug Raum für eigene Ideen bleibt.  „Musik und Tanz für Kinder“ ist keiner bestimmten Institution zugeordnet, mit ihm wurde aber nach kurzer Zeit bereits an Musikschulen und Konservatorien unterrichtet. Bei diesem Unterrichtswerk stehen erneut die Bewegungserziehung und der Tanz im Mittelpunkt, die von den Herausgebern als eigentlich kindgemäße Aktionsformen für das musikalische Lernen erkannt wurden: Ausgehend von der Bewegungserziehung und der kindlichen Selbsterfahrung des Körpers, wird durch Spielen, Probieren und Experimentieren zur geformten Bewegung, dem Tanz geführt. Stets sind bei diesem Konzept der Tanz und die Bewegung Ausgangspunkt und Ziel des musikalischen Unterrichts, bei dem, über zwei Unterrichtsjahre verteilt, aber auch die übrigen Unterrichtsgegenstände adäquat berücksichtigt werden: Singen und Sprechen, Elementares Instrumentalspiel, Musikhören und Instrumenteninformation. Die ausgewählten Inhalte der Musiklehre sollen lediglich bewusst gemacht, noch nicht etwa verstandesmäßig trainiert und beherrscht werden. „Musik und Tanz für Kinder“ kam 2007 in einer Neuausgabe heraus.

Die Yamaha-Kindermusikschulen

Sie wurden in der Bundesrepublik Deutschland ab 1967 durch organisatorische Zusammenarbeit mit dem örtlichen Musikhandel eingerichtet. Unterrichtet werden Kinder im Alter von vier bis sechs Jahren nach einem von Ärzten, Erziehungswissenschaftlern, Musikern und Pädagogen entwickelten Konzept, das bis heute einer ständigen Revision unterzogen wird. An elektronischen Tasteninstrumenten (Regalen), die nicht als Musikinstrumente, sondern als Arbeitsmittel eingesetzt werden, erstreckt sich über zwei Unterrichtsjahre die Hinführung zur Musik im wöchentlichen Gruppenunterricht (meist sechzig Minuten) bei Anwesenheit der Eltern. Eine frühe Fixierung in pianistische Richtung versucht man zu vermeiden, es geht vielmehr darum, eine umfassende musikalische Grundlage zu vermitteln. Deswegen werden als Lernmittel außerdem Rhythmusinstrumente, die Notentafel mit Magnetnoten, das Lehrbuch und Farbstifte verwendet. Für die Lehrperson steht ein Klavier/Flügel zur Verfügung. Schwerpunkt ist die Gehörschulung unter geschickter Ausnutzung des Nachahmungstriebes der Kinder, wobei letztlich die Theorie des learning by doing und der Behaviorismus Pate gestanden haben. Zum Konzept gehört heute des Weiteren, daß ausgesuchte Lehrkräfte, die sich vorher in einem Test qualifiziert haben, in verschiedenen mehrtägigen Seminaren auf das Unterrichtsprogramm vorbereitet werden und danach weiterhin an Fortbildungsveranstaltungen teilnehmen. Ferner gibt es durch Unterrichtsbesuche auch noch eine Überprüfung der Arbeit vor Ort. Mit diesem Konzept wurde Yamaha damals in Deutschland in diesem Bildungsbereich zum Vorreiter neuer Entwicklungen.

Das Modellprogramm Musikalische Früherziehung des Verbandes deutscher Musikschulen (VdM)

Dieses Programm ist in unmittelbarem Zusammenhang mit der Einrichtung der Yamaha-Kindermusikschulen zu sehen. 1968 startete der VdM versuchsweise damit an fünfundzwanzig Musikschulen. Die praktischen Erfahrungen der Lehrkräfte führten 1974 zu einer von Grund auf überarbeiteten Fassung, die nochmals einer Erprobungsphase unterzogen wurde, ehe das Programm für alle Musikschulen als verbindlich erklärt wurde. Die Ausbildung über einen zweijährigen Zeitraum sieht im Einzelnen vor: Singen, Instrumentalspiel, Hörerziehung und Musiklehre, worunter Kennenlernen der Notenschrift und Vermittlung einiger musikalischer Grundbegriffe zu verstehen sind. Die Methoden und weiteren Inhalte des Unterrichts sind: Bewegungsübungen, die sich aus freiem Spiel oder aus dem Umgang mit Spielmaterial ergeben, Zeichnen, Beschäftigung mit graphischer Notation, Improvisation und schließlich Sprech- und Sprachentwicklungsübungen. Das Curriculum, das zwar im Stoffplan durchaus ein eigenes Profil besitzt, ist dennoch in mancher Hinsicht ein getreues Spiegelbild der Yamaha-Konzeption:

  • Kernstück der Klassenausrüstung ist das Tastenspiel,
  • es gibt keine Festlegung auf ein bestimmtes Instrument,
  • es wird eine Vielfalt anderer Lernmittel herangezogen,
  • es wird eine (freiwillige) Lehrerfortbildung angeboten.

Mukifo

Mukifo ist ein Hamburger Projekt, das musikalische Früherziehung in den Kindergärten und Kindertagesstätten durchführen möchte. Mukifo bedeutet „musikalische Kinderförderung“.  Anhand des Bildungsplans sollen in Zusammenarbeit mit der jeweiligen KiTa bestimmte Standards erarbeitet werden. Das Mukifo-Team sieht es als sein Anliegen, als integrativer Bestandteil der Einrichtungen bei ihrer konzeptionellen Arbeit zu unterstützen. Mukifo wurde in Hamburg gegründet und ist hauptsächlich in der Hansestadt aktiv, aber zunehmend auch in ganz Deutschland.

Die Klangstrolche

Ebenfalls eine Hamburger Initiative. Inzwischen gibt es 74 Klangstrolche-Lehrer in der Hansestadt, die allerdings alle ehrenamtlich – sofern sie keine Erzieher sind – in Kindergärten arbeiten. Jeder, der Spaß an Musik hat, kann sich als Lehrer dort bewerben und entsprechende Seminare mitmachen. Angeboten werden die Konzepte „Musikgarten“ und „SimSaLaBim“ (Yamaha).

Kommentar: So lobenswert diese Initiative auch sein mag und bei allem Respekt fürs Ehrenamt: Kinder brauchen Profis für einen optimalen elementaren Musikunterricht. Wer gerne singt, kann noch längst nicht Früherziehungsgruppen leiten, und Kinder kompetent zu musikalisieren braucht mehr, als zwei Wochenendkurse. Wer möchte schon die Frage beantworten, was besser für Kinder aus sozialen Brennpunkten ist: Gar kein Musikunterricht oder wenig professioneller?

Klangexperimente und Farbnotensysteme

Neben vielen weiteren Früherziehungskonzepten, die ihre Akzente auf Stimmbildung, Sprechspiele oder Dramatisches Spiel und musisches Gestalten legen, sollen hier noch einige der Klangexperimente und die Farbnotensysteme Erwähnung finden. So stellt beispielsweise Margit Küntzel-Hansen seit 1966 ihre klanglichen Gestaltungsversuche mit kleinen Kindern in den Dienst einer speziellen Hörerziehung mit dem Ziel, in die Klangwelt der modernen Musik einzuführen. Bei den Farbnotensystemen hingegen geht es um die Vermittlung der Notenkunde, traditionell das Schreckgespenst jeglichen Musikunterrichts. Gertrud Fischer zeigte, wie Kinder ab drei Jahren mit bunten Notenmännlein spielend zum Musizieren nach Noten gebracht werden können,  ähnlich den Bunten Zaubernoten im Grundschulbereich.

Quelle Yamaha, VDM, Klangexperimente: Ulrich Mazurowicz, Konzepte Musikalischer Früherziehung