Musikschulgründung: Vom Klinken putzen und dicke Bretter bohren

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Peter Thies, Geschäftsführer des Kulturhauses Rhein-RuhrPeter Thies leitet mit der Kulturhaus Rhein-Ruhr gGmbH eine der größten privaten Musikschulen in Deutschland. Er ist Ehrenvorsitzender des bdpm e.V. und betreut Musikschulneugründungen in ganz Deutschland. Und er ist ein Freund der klaren Worte, das konnten die Teilnehmer seiner Seminare auf dem bdpm-Kongress ganz direkt erleben. Was aber ausgesprochen hilfreich ist, wenn es um die oftmals komplizierten Fragen rund um Musikschulgründung oder -umstrukturierung geht.  Schließlich gründet man eine Musikschule nicht nebenbei, eine bestehende kann nicht wirkungsvoll verändert werden, wenn der Inhaber sich völlig im Tagesgeschäft verliert. Deshalb die oberste Prämisse des erfolgreichen Musikschul-Geschäftsführers:

Nicht improvisieren, sondern planen

Nicht nebenbei, sondern mit Zeit, den (eventuellen) Partnern und Papier. Es geht darum, betriebswirtschaftlich zu denken, was in der Musikschulbranche mitunter nicht so ausgeprägt ist. Betriebswirtschaftlich zu denken heißt auch, sich über den eigenen Weg klar zu werden und konkrete Ziele zu formulieren. Zu improvisieren ist in der Musik eine hohe Kunst und Alltag in der Musikschule. A là minute zu reagieren ist Pflicht, um die vielfältigen Aufgaben zu bewältigen, doch trotzdem (oder gerade deswegen) muss sich Zeit für Planung und Zukunftsvisionen genommen werden.

Nicht immer mit beschränkter Haftung: Gesellschaftsformen

Am häufigsten ist die Personengesellschaft, der klassische Ein-Mann/Eine-Frau-Betrieb. Die Firma ist zu 100 Prozent deckungsgleich mit der Person, die sie führt. Alternativ dazu gibt es die GbR, die Gemeinschaft bürgerlichen Rechts oder die GmbH, die Gesellschaft mit beschränkter Haftung. Die GmbH kann genau wie die Personengesellschaft mit nur einer Person geführt werden, dem Geschäftsführenden Gesellschafter. Der Vorteil gegenüber einer Personengesellschaft ist jedoch die beschränkte Haftung mit dem Gesellschaftsvermögen. Der Privatbesitz bleibt – im Gegensatz zur Personengesellschaft – bei der GmbH unberührt.

Die gGmbH, die gemeinnützige GmbH, kann für Musikschulen ab ca. 500 Schülern eine interessante Alternative sein. Thies führt seine Musikschule als eine solche gemeinnützige GmbH und ist mit dem Kulturhaus Rhein-Ruhr zu einer der größten, privaten Musikschulen Deutschlands avanciert. Entgegen der landläufigen Vorstellung, in einer gGmbH dürften keine Gewinne erwirtschaftet oder Gehälter ausgezahlt werden, ist es sehr wohl so, dass auch eine gGmbH wirtschaftlich arbeiten muss. Die erzielten Gewinne müssen allerdings reinvestiert und dürfen nicht ausgeschüttet werden. Und auch in der gGmbH kann sich der Gesellschafter ein Gehalt auszahlen lassen. Der Vorteil der gGmbH liegt nach Thies besonders in der Außenwirkung: Die gGmbH vermittelt einerseits, wirtschaftlich zu arbeiten, andererseits setzt sie ein deutliches Zeichen dafür, Kulturarbeit zu leisten! Letzteres kann hilfreich sein, um Türen zu öffnen oder Sponsoren für einzelne Projekte zu finden. Der Nachteil: Der Gesellschafter muss sich großes Wissen in den Bereichen Recht und Finanzen aneignen. Ohne umfangreiches kaufmännisches Know-how ist eine gGmbH nicht zu führen.

“Eine gemeinnützige Gesellschaft zu gründen lohnt sich nicht bei hundert Schülern und vier Honorarkräften,” so Peter Thies, “sondern in der Regel erst dann, wenn die Musikschule immer mehr zu einem Unternehmen wird. Das ist in etwa bei 500 Schülern der Fall. Aber natürlich lässt sich eine gGmbH schon sehr früh planen und kann ein unternehmerisches Ziel sein!” Nicht zwingend ist eine Einlage in Höhe von 25.000 Euro; auch hier gibt es eine Alternative. So kann die Summe von 25.000 Euro angespart werden im Laufe der Jahre. Wer zum Beispiel über ein Startkapital für eine Musikschule von 2.000 Euro verfügt, kann dieses Geld auch in eine (g)GmbH einzahlen und die restlichen 23.000 Euro in den nächsten Jahren hinzufügen.

Werbung: Viel Geld fürs Kaffeetrinken

In der von Thies 1990 gegründeten Musikschule Rhein-Ruhr wird kaum klassische Werbung in Form von Zeitungsanzeigen oder Flugblättern gemacht. Investiert wird in Branchenbücher und Interpräsenz, um schnell und unkompliziert gefunden zu werden. Den weitaus größten Anteil nimmt die Kontaktpflege ein, denn “jemand, der von unserer Arbeit überzeugt ist und das weitersagt, ist unbezahlbar”, beschreibt Thies seine Marketing-Philosophie. Von daher lautet die unkoventionelle Empfehlung des innovativen Geschäftsführers: “Investieren Sie viel Geld ins Kaffetrinken!” Sich Zeit zu nehmen für den jeweiligen Gesprächspartner und immer wieder zu versuchen, sich in sein Gegenüber hineinzudenken, sieht Thies als unerlässlich für erfolgreiche Vermarktung und Kundenakquise an. Manchmal scheitert allerdings schon der Versuch, den gewünschten Ansprachpartner überhaupt zu erreichen. Dann gelingt es vielleicht über einen Umweg, über einen Kontakt aus dem kontinuierlich ausgebauten Netzwerk, der die Türen öffnen. “Stellen Sie sich darauf ein, dass Sie bei der Kundengewinnung dicke Bretter bohren zu müssen,” erklärt Thies, “und berücksichtigen Sie, dass Sie vorher nie wissen, wie dick das Brett wirklich ist”. Im Zentrum sollte immer die Frage stehen, was die potentiellen Kunden oder Multiplikatoren interessiert. Ob das eigene Examen mit einer eins oder einer vier abgeschlossen wurde, ist völlig unwichtig. Interessant wird eine Kooperation für das Gegenüber erst, wenn es einen konkreten Nutzen erkennen kann. „Bieten Sie ein Konzept an, von dem beide Seiten profitieren, vermitteln Sie die Absicht, Arbeit, Zeit und Geld des potentiellen Kunden einzusparen zu wollen,“ fasst Thies seine Überlegungen zusammen.

Mit über 5000 Schülern genießt die Musikschule Rhein-Ruhr einen ausgezeichneten Ruf und bietet ein breites Angebot. Peter Thies: “Wir fühlen uns als privater Bildungsträger in der Verantwortung, durch unser Know-how eine musikalische Breitenbildung zu ermöglichen. Es ist uns ein großes Anliegen, flächendeckend zur musikalischen Bildung beizutragen”.

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