Computerspiele im Musikunterricht: Guitar Hero

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Guitar Hero - Spiel mit positiven EffektenComputerspiele im Unterricht?  Passt das? Wo Musikschulen  doch für das authentische Musizieren stehen? Sollte nicht gerade hier ein deutlicher Kontrapunkt zu virtuellen Angeboten gesetzt werden? Zuerst einmal steht fest: Auch das noch so ausgefeilte Computerspiel ersetzt nicht das Lernen im realen Leben. Das gilt für alle Spiele, jedoch in besonderer Weise für Musikspiele. Sie jedoch zu ignorieren, birgt die Gefahr, den Anschluss an die Lebenswelt der Schüler zu verlieren.  Denn immer häufiger treffen Musiklehrer auf Schüler, die über ein – zumindest theoretisch – großes Gitarren-Repertoire verfügen.

Die Hits von van Halen, Deep Purple oder Aerosmith mögen an der heimischen Spielkonsole gut von der Hand gehen, im Unterricht hapert es dann aber doch. Gitarre lernen mit der Spielkonsole: So einfach ist es eben nicht. Aber Spiele wie  Guitar Hero (Activision) schaden auch nicht, sondern wollen in erster Linie eins: Spielspaß vermitteln. Dass sich im Laufe der Zeit Fingerfertigkeit und Rhythmusgefühl entwickeln, ist allerdings mehr als nur ein netter Zusatzeffekt. Und so staunte man während des bdpm-Kongresses nicht schlecht, als Tammo Hinrichs, Referent des Seminars, auf einem Gitarre ähnlichen Joystick, dem Gitarren-Controller, verschiedene Riffs spielte. „Viele Kinder kommen durch Guitar Hero überhaupt erst auf die Idee, das Instrument zu erlernen“, erläutert Hinrichs, „aber Guitar Hero ist kein didaktisch orientiertes Musikprogramm. Je ernster man das Spiel jedoch nimmt, desto eher stellen sich Erfolge in Sachen Rhythmus und Geläufigkeit ein!“

Rhythmen werden schneller erfasst

Übung macht halt auch im Spiel den Meister, genau wie im richtigen Unterrichtsleben. Das allerdings wird manchmal durchaus positiv beeinflusst von Computerspielen. So hat Claudia Sturm, Gitarrenlehrerin an der Kreativ-Musikschule in Groß Laasch, gute Erfahrungen mit Kindern gemacht, die sich daheim auch als elektronische Gitarrenhelden versuchen. „Ich habe festgestellt, dass Schüler Rhythmen schneller erfasst haben, weil sie dieses Spiel spielten,“ beschreibt die Musikpädagogin, „sie fanden auch leichter Zugang zu komplizierteren Griffen!“ Vielleicht wirken Spiele aus diesem Grund motivationsfördernd, aber wie immer gilt:  Die Dosis macht es. Claudia Sturm jedenfalls unterstützt ihre Computer spielenden Schüler, geht auf deren Songwünsche ein und nutzt die Möglichkeiten, die Spiele im Unterricht bieten.

Auch eigene Kreativität ist bei Guitar Hero und Co. gefragt. So findet der Komponisten-Nachwuchs ebenfalls bei Guitar Hero seinen Platz: Im eingebauten Musikstudio können eigene Songs, allerdings ohne Gesang, erstellt werden. Dieser Spielbereich bietet viele Möglichkeiten, um verschiedene Tonspuren einzuspielen. Ambitionierte Hobby-Rocker können so innerhalb kurzer Zeit Spuren für Bass, Lead-Gitarre und Schlagzeug erschaffen. Dass darüber auch ein angeregter Austausch mit dem Musiklehrer entstehen kann, liegt auf der Hand.

Spieltechnik: Notensymbole, leuchtende Noten und gleichförmiges Singen

Wer Guitar Hero spielen will, braucht keine Vorkenntnisse.  Allerdings ein wenig Geduld, um das Spiel zu beherrschen. Der Gitarren-Controller simuliert eine echte Gitarre mit fünf verschiedenfarbigen Knöpfen als Bünde, eine Strum Bar und ein Tremolo. Doch bevor es soweit ist, muss der Spieler erst einmal einen Song aus dem großen Rock-Repertoire auswählen. Dieser wird nicht allein akkustisch wiedergegeben, sondern auf dem Bildschirm der Spielekonsole erscheinen auf einer Art Gitarrenhals die zu spielenden Töne. Je treffsicherer die verschieden farbigen Notensymbole auf dem Bildschirm „angeschlagen“ werden, desto mehr Punkte gibt es. Während des Spielens müssen die richtigen Knöpfe am Gitarrenhals zum richtigen Zeitpunkt gedrückt, beziehungsweise gehalten und gleichzeitig die „Saiten“ am Corpus mit der anderen Hand geschlagen werden. Doch nicht nur Gitarrenspieler kommen auf ihre Kosten: Auch Singstimme und Schlagzeug gibt es auf separaten Spuren. „Je gleichförmiger man singt, desto mehr Punkte gibt es,“ beschreibt Hinrichs lachend das Modul, „Ausdruck zählt nicht!“ Das elektronische Schlagzeug wird ähnlich gespielt wie die Gitarre: Beim Schlagzeug hingegen muss zur richtigen Zeit auf das richtige Pad geklopft werden. Der Vorteil: Das Schlagzeug kann  auch außerhalb des Spiels genutzt werden und bietet ohrenschonendes Üben.

Equipment: Rockstudio im Wohnzimmer

Um Spiele wie Guitar Hero spielen zu können, ist ein TV-Gerät natürlich unerlässlich. Je größer die Diagonale, desto besser. Ohne Spielkonsole geht gar nichts, wobei alle gängigen Modelle mit dem Spiel kompatibel sind. Die Preise für eine Konsole beginnen bei ca.  170 Euro. Zwei gute Boxen müssen sein, das Spiel selbst schlägt inklusive Gitarre und Schlagzeug  mit ca. 160 Euro zu Buche.

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